Brustvergrößerung durch Eigenfett in Köln-NRW

Seit einigen Jahren kommt die Brustvergrößerung durch Eigenfett wieder in Mode. Die erste Brustvergrößerung bzw. -rekonstruktion erfolgte 1895 durch Vinzenz Czerny.  Er unterfütterte zur Rekonstruktion einer Brust nach einer Brustamputation bei Brustkrebs mit einem Lipom (gutartige Fettgeschwulst). Das Operationsergebnis war nicht zufrieden stellend, da das Lipom nicht einheilte. Mit der Einführung der Liposuktion in den 1970er Jahren wurden vermehrt Fettinjektionen zur Brustvergrößerung durchgeführt. In der Anfangszeit gab es jedoch häufig Probleme wie Ölzysten und Infektionen.

Heutzutage wird ein anderes Verfahren durchgeführt. Nämlich das Lipofilling. Das Fett wird z.B. nach der Technik von Coleman entnommen und aufbereitet. Diese Technik ist nicht mit der normalen Fettabsaugung zu verwechseln. Hierbei wird mit minimaler Lokalanästhesie oder in Vollnarkose mit dünnen Kanülen und wenig Unterdruck Fett so sanft wie möglich entnommen. Alternativ erfolgt die Entnahme mit der von uns bevorzugten wasserstrahlassistierten Beauli-Methode. Prinzipiell kann das Fett an allen geeigneten Stellen entnommen werden (z.B. Bauch, Flanken, Oberschenkel, Gesäß usw.). In Frage kommen alle Frauen, die ausreichend eigenes Fett haben.

Nach der Entnahme wird das Fett konzentriert z.B. durch spezielle Kollektoren mit Membranen bzw. Sieben oder durch Zentrifugieren. Für die Aufbereitung des Eigenfetts kommen somit verschiedene Methoden in Frage.

Nach erfolgreicher Aufbereitung des Fetts erfolgt die Injektion in eine oder beide Brüste. Hierbei wird das Fett in der Regel unter die Haut (subcutan) sowie unter die Brustdrüse (subglandulär) in kleinen Portionen fächerförmig gespritzt. Einige Autoren empfehlen ggf. zusätzlich eine Injektion unter den Brustmuskel oder in den Brustmuskel (FAMI, z.B. bei einer Sofortrekonstruktion bei Kapselfibrose). Falls Narben oder eine andere Deformierung vorliegt wie z.B. eine tubuläre Brust, wird mit Injektionsnadeln und multiplen Einstichen subcutan Gewebe gelöst (Rigottitomie nach Gino Rigotti, Verona). Das Eigenfett sollte sofort verarbeitet werden. Ein Einfrieren führt in der Regel zur Zerstörung der Zellen und sollte deshalb nicht mehr erfolgen.

Derzeit geht man davon aus, das bestenfalls 50% des injizierten Volumens einheilt. Daher muss das Lipofilling ggf. wiederholt werden, bis das gewünschte Ergebnis erreicht wird.

Einige Kollegen wie Roger Khouri aus Miami emfehlen, insbesondere bei geplantem Lipofilling zur Brustrekonstruktion nach Brustkrebs -aber auch zur normalen Brustvergrößerung (Augmentation) -, zusätzlich eine Behandlung mit dem Brava®-System durchzuführen. Hierbei werden Unterdruckplastikschalen über der Brust befestigt. Dieses System sollte 10-14 Wochen mindestens 10 Stunden getragen werden und erzeugt eine gewisse Formung bzw. Lockerung der Haut im Bereich der Brustwand. Manche Autoren empfehlen, das Systen Tag und Nacht 6 Wochen vor und eine Woche nach der OP zu tragen.  Die Kosten für das Brava®-System betragen ca. 2000,--€.

Indikationen für das Lipofilling im Bereich der Brust

  • Brustvergrößerung / Augmentation auch in Kombination mit einem Silikonimplantat
  • Kapselfibrose (sofortiger Wiederaufbau nach Entfernung der Implantate)
  • Ausgleich von angeborenen oder erworbenen Volumenunterschieden zwischen beiden Brüsten
  • Narbenunterfütterung z.B. nach Verbrennungen oder Verätzungen
  • Brustrekonstruktion / Wiederaufbau nach Brustkrebs
  • chronische Wunden im Bereich der Brust (z.B. Strahlenulkus)
  • angeborene Deformität wie z.B. die Rüsselbrust / tubuläre Brust

OP-Technik

  • Eigenfettgewinnung in Lokalanästhesie oder Voll- / Teilnarkose z.B. nach Coleman oder nach der wasserstrahlassistierten Beauli-Methode
  • ggf. Aufbereitung des Fetts falls kein Kollektor verwendet wird
  • Injektion / Transplantation
  • OP-Zeit ca. 2-6 h (in der Regel abhängig von der Aufbereitung des Fetts)
  • ggf. Wiederholung(en) im Abstand von 6-9 Monaten notwendig

Risiken/Nebenwirkungen

  • Allgemein: Infektion, Blutung, Nachblutung, Gefäß- und Nervenverletzungen, Hämatom
  • Zysten, Ölzysten
  • (Mikro)Verkalkungen mit nachfolgend erschwerter Brustkrebsdiagnostik
  • Nichteinheilen des Transplantates
  • theoretisch Erhöhung des Brustkrebsrisikos durch Angioneogenese: derzeit ist kein Hinweis auf eine Erhöhung des Brustkrebsrisikos nachgewiesen aber Gegenstand der Forschung

Vorteile

  • keine Implantate / kein Fremdmaterial notwendig
  • eigenes Gewebe wird transplantiert
  • 2 für 1 - Operation: Fettabsaugung im Preis inbegriffen
  • schonendes Verfahren in Lokalanästhesie ambulant durchführbar
  • relativ leicht korrigierbar / veränderbar wenn genügend Eigenfett vorhanden
  • auch für die Brustrekonstruktion geeignet als Alternative zur  freien Lappenplastik (DIEP, TRAM)

Nachteile

  • längere OP-Dauer möglich und somit ggf. hohe Kosten
  • ggf. erschwerte Brustkrebsdiagnostik durch Mikroverkalkungen
  • OP-Ergebnis bei der Rekonstruktion nicht sofort sichtbar
  • bei der Rekonstruktion ggf. mehrere Eingriffe notwendig über längeren Zeitraum (bis 2 Jahre)
  • derzeit noch keine Kostenübernahme durch Krankenversicherungen

Alternativen zum Eigenfett und zu Implantaten

Derzeit keine, außer den hochinvasiven Eingriffen der rekonstruktiven Brustchirurgie (Diep-/Tram-/S-GAP-Flap usw.). Wenn nicht genügend eigenes Fett vorhanden ist, wurde bis vor kurzem noch eine Brustvergrößerung auch durch das Unterfüttern mit einer hochvernetzten Hyaluronsäure erwogen. Das Filler-Material wird jedoch mit der Zeit vom Körper abgebaut, so dass mit diesem Verfahren keine permanente Vergrößerung zu erreichen war. Dieses Verfahren wurde von uns nicht angeboten. Am 17.04.2012 hat das Unternehmen Q-Med / Galderma vorerst die Zulassung für das bisher für die Brustvergrößerung verwendete Produkt (macrolane) zurückgezogen.